Bereits viermal wurde der Champions-League-Pokal in Bern in die Höhe gestemmt. Allerdings nicht wegen fussballerischer, sondern handwerklicher Fertigkeiten. Bijoux Stadelmann stellte zwischen 1967 und 1994 vier der Pokale her.

Und es gibt sie doch: Bernerinnen und Berner, die eine Fussballtrophäe in die Höhe stemmen konnten. Nicole Stadelmann hielt einmal sogar den begehrtesten Pokal im Clubfussball in ihren Händen. Den Cup der Uefa Champions League. Gewonnen hat sie die Champions League zwar nicht, aber sie war an der Herstellung des Pokals beteiligt. Sie ist seit acht Jahren Geschäftsführerin von Bijoux Stadelmann und führt das Familienunternehmen in dritter Generation. Die Bijouterie an der Marktgasse stellte zwischen 1967 und 1994 vier Pokale für den Uefa Cup der Landesmeister – die spätere Champions League – her.

Bevor das letzte Berner Exemplar im Jahr 1994 ausgeliefert wurde, konnte man die Trophäe etwa eine Woche im Schaufenster von Bijoux Stadelmann bewundern. «Natürlich habe ich den Pokal damals auch einmal in die Höhe gestemmt und ein bisschen gejubelt», sagt die Fachfrau für Edelsteine und lächelt etwas verlegen.

Genug Platz für drei bis vier Flaschen Champagner

Wie kommt es dazu, dass eine Bijouterie aus Bern den wichtigsten Pokal des europäischen Clubfussballs hergestellt hat? Die Uefa hatte ihren Sitz früher in Bern. Bijoux Stadelmann hatte damals einige Aufträge vom europäischen Fussballverband, zum Beispiel zur Eingravierung von Siegernamen. Im Jahr 1967 lud der damalige Uefa-Generalsekretär Hans Bangerter auch das Berner Geschäft ein, einen Entwurf für einen neuen Pokal zu präsentieren. «Es war ein Projektwettbewerb», sagt Nicole Stadelmann.


Kratzer und Dellen im Siegesrausch

Im Hause Stadelmann wurden vier Champions-League-Pokale in Originalgrösse und einige kleinere Replika hergestellt. Früher ging die Trophäe nach drei Siegen in den Besitz der erfolgreichen Mannschaft über. Heute braucht es dazu fünf Erfolge. Für die Schatztruhen von Real Madrid und der AC Milan fertigte Stadelmann je eine auf 80 Prozent verkleinerte Replika. Manchmal musste die Bijouterie auch Dellen oder Kratzer entfernen, welche dem begehrten Stück im Siegestaumel zugefügt wurden.

Den letzten in Bern gefertigten Pokal holte sich im Jahr 2005 der FC Liverpool. Danach wurde Bijoux Stadelmann von der Uefa angefragt, für ein neues Exemplar zu offerieren. Der Zuschlag ging aber an ein anderes Unternehmen. «Die Henkel sind jetzt etwas anders als bei unserem Modell», sagt Nicole Stadelmann. Allerdings würde man diesen feinen Unterschied als Laie kaum erkennen.

Viele Leute würden gar nicht glauben, dass ihre kleine Bijouterie für diesen grossen Kelch verantwortlich ist, sagt Nicole Stadelmann. Das Familienunternehmen beschäftigt 14 Mitarbeiter, darunter 6 Goldschmiede. Hauptgeschäft ist der selbst gemachte Schmuck. Aber auch der Schweizerische Fussballverband oder der Weltverband der Springreiter gehören zu Stadelmanns Kunden.

Originalzeichnung des Pokals von Jürg Stadelmann im Schaufenster von BijouxStadelmann im August 2018 als dem BSC-YB die Qualifikation für die Gruppenphase der Championsleague 2018 gelang

Urheberschutz nach dem Willen der Uefa

Dass ihre Bijouterie demnächst wieder einen Champions-League-Pokal herstellen wird, bezweifelt Nicole Stadelmann. «Schon durch den starken Franken sind wir teurer als die ausländische Konkurrenz.» Zudem sei der Schweizer Standard in der Herstellung höher und daher auch teurer. «Aber es würde uns natürlich besonders freuen, ein weiteres Mal für die Uefa arbeiten zu können.»

Das grosse Geschäft hat die Berner Bijouterie an der Marktgasse mit dem weltbekannten Pokal nicht gemacht. «Wir mussten die Rechte am Pokal bereits 1967 an die Uefa abtreten», sagt die Geschäftsführerin. Für jede einzelne Replika brauchte es eine spezielle Genehmigung des europäischen Fussballverbands. «Einmal wollte ein Vater seinem Sohn einen ganz kleinen Champions-League-Pokal zum Geburtstag schenken», erinnert sich Nicole Stadelmann. Selbst dazu brauchte es die offizielle Genehmigung der Uefa.

Quelle: 3. Oktober 2012 06:33 von Ralph Heiniger, (Berner Zeitung)

Video von Teleclub über Jürg Stadelmann:
Jürg Stadelmann und der Champions League Pokal

Nur wenige wissen, dass einer der begehrtesten Fussballpokale aus Bern stammt. Teleclub hat für den Final der #Championsleague, am 1. Juni 2019, eine Reportage gedreht. Viel Vergnügen.

Gepostet von Bijoux Stadelmann AG am Sonntag, 9. Juni 2019
Kategorien: Geschichten

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